Von vielen hochgelobt, von anderen stark kritisiert kann Sheryl Sandbergs Buch „Lean In“ die Meinungen wohl nur spalten. Für mich bringt das Buch viele Dinge richtig gut auf den Punkt, ohne dabei ein feministisches Manifest zu sein. Sandberg macht zwar einerseits insbesondere Frauen Mut, ihre beruflichen und privaten Ziele zu vereinbaren und sich nicht nur für die eine Seite zu entscheiden. Andererseits lässt sie aber auch die männliche Sichtweise zu Wort kommen und macht deutlich, dass beide Geschlechter von einem Miteinander auf Augenhöhe nur profitieren können. Mal abgesehen von der Wirtschaft natürlich, die sich den Verlust der Hälfte der potenziellen, gut ausgebildeten Arbeitskräfte an das Hausfrauen-Dasein nicht leisten kann.

Klar hat Sandberg als operative Geschäftsführerin von Facebook einen klaren finanziellen Vorteil für die Kinderversorgung, den andere Frauen nicht haben. Allerdings geht es im Buch um die grundsätzliche Einstellung zur Vereinbarung von Beruf und Familie; die eigene und die, die uns die Gesellschaft versucht aufzudrücken. Sandberg schreibt auch darüber, dass wir uns vom idealen Bild der perfekten Mitarbeiterin, Hausfrau, Mutter und Geliebten verabschieden sollten. Nichts ist frustrierender als Idealbildern nachzujagen, die man nie erreichen wird.

Jeder muss für seine Erfolge und seinen Wunschplatz in der Gesellschaft hart arbeiten und manchmal noch härter kämpfen, egal ob Frauen oder Männer. Die Startup-Szene sehe ich sogar als ideale Umgebung, um als Frau beruflich erfolgreich zu sein. Flache Hierarchien und absoluter Respekt vor der Leistung des Gegenübers erleichtern dies. Natürlich muss man manchmal auch strategisch und politisch vorgehen, um die eigenen Ziele zu erreichen. Jedoch meist ohne den Widerstand alteingesessener Manager, die Angst vor Machtverlust haben.

Grundsätzlich enthält das Buch viele wichtige und interessante Lektionen. Zum Beispiel, dass gute Mentoren enorm wichtig für den eigenen beruflichen Erfolg sind. Das kann die beste Freundin, der Kollege aus der Nachbarabteilung oder der Chef sein. Für verschiedene Bereiche sollte man idealerweise auch unterschiedliche Mentoren haben. Nur eines funktioniert nicht: Jemanden proaktiv nach Mentoring fragen ohne eine konkrete Vorstellung davon zu haben, was man wirklich benötigt. Oftmals wird einem erst sehr viel später bewusst, dass man die ganze Zeit schon einen Mentor oder Mentorin an der Seite hatte. Ich habe beispielsweise bereits unbewusst mehrere, die ich bisher nie unter der Prämisse „Das ist mein Mentor oder Mentorin“ wahrgenommen habe. Jetzt tue und nutze ich dieses Wissen besser!

Da ich in der ehemaligen DDR, später den „neuen“ Bundesländern, aufgewachsen bin, habe ich das eigenverantwortliche Handeln als Frau mit Job und Familie nie in Frage gestellt. Die gesamte Gesellschaft hat vorgelebt, dass die Kombination von beruflichem Vorankommen und Wohlergehen der Familie absolut wichtig sind. Ich hoffe, dass sich diese Sichtweise auch im restlichen Deutschland bald voll und ganz durchsetzt.

Die Quintessenz dieses absolut lesenswerten Buches ist für mich, dass wir alle selbst dafür verantwortlich sind, unsere Ziele zu erreichen. Der Erfolg wird uns nicht hinterher getragen, egal ob Mann oder Frau. Aber wir können darauf hinarbeiten! Lean in und macht was aus eurem Leben!

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