Wer bei Patagonia direkt an argentinische Weiten denkt liegt nicht ganz falsch. Denn immerhin hat Yvon Chouinard seinen mittlerweile weltweit agierenden Outdoor-Ausstatter nach eben der Landschaft Argentiniens benannt. Aber angefangen hat alles doch, wie so oft, ganz anders. Nach einer beschwerlichen Kindheit als französischsprachiger Einwanderer im Kalifornien der 1940er Jahre entdeckte Chouinard früh seine Naturverbundenheit und die Liebe zum Klettern. Um sein Hobby zu finanzieren fing er an, selbst Kletterzubehör zu schmieden und zu verkaufen. Daraus entstand ein kleines Geschäft, welches sich im Laufe der Jahre zu einem immer mehr Zielgruppen abdeckenden Outdoor-Spezialisten für qualitätsbewusste Kunden entwickelte. Chouinard ist ein visionärer Unternehmer sondergleichen. Zu einer Zeit, als jeder von einem direkten Markteintritt in Japan ohne Business Partner vor Ort abriet, versuchte Chouinard das scheinbar Unmögliche und gewann. Japan gehört mittlerweile zu den wichtigsten Märkten Patagonias. Weltweit baute er Filialen auf und überzeugte auf breiter Ebene. Andere Unternehmen setzten auf Profit ohne Limit, Patagonia auf nachhaltiges Wachstum.

Dabei steckt hinter Patagonia eine besondere Philosophie: Sehr früh erkannte Chouinard den Wert der unberührten Natur für die Menschen und sein Unternehmen. So engagiert sich Patagonia für viele kleine und lokale Naturschutzprojekte und gibt ein Prozent ihrer jährlichen Verkaufserlöse an eben solche Projekte ab. Zudem wird immer weiter daran gefeilt, die möglichst umweltfreundlichsten Materialien für Produkte zu verwenden. Auch hier mit Erfolg: Patagonia war eines der ersten großen Unternehmen, die organische Baumwolle und Fleece aus Plastikflaschen verarbeiteten.

Auf der anderen Seite wird Vertrauen in die Mitarbeiter von Patagonia groß geschrieben: Die Mitarbeiter genießen schon seit der Gründung Patagonias ungewöhnliche Freiheiten. Wichtig ist dabei das Arbeitsergebnis und nicht die Zeit, die am Schreibtisch verbracht wird. Solange die Ziele erreicht werden, können die Mitarbeiter auch einmal getrost tagsüber zum Surfen oder Klettern aufbrechen – Management by Absence wie es Chouinard auch für sich selbst betreibt. Denn die Leidenschaft für die Berge treibt ihn immer noch hinaus. Zudem ist die Familienpolitik des Unternehmens bemerkenswert: Schon in den 1980er Jahren gehörte eine unternehmenseigene Kindergrippe und Mutter- bzw. Vaterschutz zum Standard.

Ein Mann mit Visionen und unheimlicher Innovationskraft – unsere globale Gesellschaft braucht unbedingt mehr davon. Vor allem, um zukünftigen Manager-Generationen ein Vorbild in nachhaltiger Unternehmensführung sein zu können. Und wer jetzt Lust auf mehr bekommen hat, der liest einfach „Let my people go surfing – The education of a reluctant businessman“ von Yvon Chouinard (2006).

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